Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung

Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung

Diese Woche haben wir in erster Lesung den Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung (BbiG) beraten. Mit dem Gesetzentwurf gehen wir auf wichtige Trends und Herausforderungen in der beruflichen Bildung ein und schaffen so den rechtlichen Rahmen, um die duale Berufsausbildung fit für die Zukunft zu machen.

Die Mindestausbildungsvergütung (MAV) ist die größte Verbesserung dieser Reform, denn gut ausgebildete Fachkräfte brauchen eine sichere finanzielle Grundlage und ihre Leistung verdient Respekt und eine ordentliche Bezahlung. Schon jetzt sind alle Betriebe verpflichtet, ihren Auszubildenden „eine angemessene Ausbildungsvergütung“ zu zahlen. Dennoch ist das in manchen Berufen und Regionen zu wenig. Dies macht einige Ausbildungen unattraktiv. Mit der Mindestvergütung für Auszubildende wird diese Verpflichtung für „angemessene Ausbildungsvergütungen“ endlich konkretisiert und im Berufsbildungsgesetz verankert. Die Mindesthöhe der Vergütung für eine Ausbildung wird zunächst ab 2020 auf 515 Euro für das 1. Lehrjahr festgelegt und wird sich bis ins 3. Lehrjahr um 35 Prozent auf 695 Euro erhöhen Die MAV ist künftig ein Mindestlohn für Azubis und definiert, was als angemessen gilt. Wir konnten darüber hinaus erreichen, dass die Ausbildungsvergütungen mit fortschreitender Ausbildung in den nächsten Jahren deutlich steigen werden. In den Jahren 2021, 2022 und 2023 erhöht sich die MAV im 1. Lehrjahr in weiteren Schritten von 550 Euro über 585 Euro bis auf 620 Euro. Durch die prozentuale Anpassung wird sie dann im 3. Ausbildungsjahr in 2025 schlussendlich 837 Euro betragen.

Ohne den Einsatz des DGB und eine Vereinbarung mit der BDA wäre dieses Ergebnis nicht zu Stande gekommen. Damit wird auch deutlich, dass die Arbeitgeber wissen, dass es dringend an der Zeit ist, ihre Azubis besser zu entlohnen. Da Jugendliche in der Ausbildung aktuell nicht vom Mindestlohn erfasst werden, schließt die MAV eine wichtige Lücke. Die SPD-Bundestagsfraktion ist stolz darauf, dass sie gegen Widerstände des Wirtschaftsministeriums und die Untätigkeit der Bildungsministerin die Mindestausbildungsvergütung durchsetzen konnte und dieses wichtige Gesetz nun in die parlamentarischen Beratungen geht.

Neben der Mindestausbildungsvergütung bringt der Gesetzentwurf noch andere wichtige Neuerungen auf den Weg. So wird beispielsweise jetzt die Möglichkeit der Teilzeitberufsausbildung auf alle Auszubildenden ausgeweitet. Diese Neuregelung ist insbesondere eine Chance für Alleinerziehende, Geflüchtete, lernbeeinträchtigte Personen sowie Menschen mit Behinderung. Das Gesetz soll am 1. Januar 2020 in Kraft treten. In den anstehenden Beratungen zum Gesetzentwurf wollen wir weitere Verbesserungen erreichen. Wir wollen die Qualität der Ausbildung verbessern und gute Ausbildungsbedingungen in allen Branchen schaffen wollen. Wir wollen die Rahmenbedingungen für Auszubildende verbessern, wenn es um Freistellung für Berufsschulzeiten geht.

Haushalt 2020

Haushalt 2020

Die Bundesregierung hat am vergangenen Mittwoch den Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2020 und den Finanzplan 2019 bis 2023 beschlossen. Insgesamt sind Ausgaben in Höhe von 359,9 Milliarden Euro geplant.

Deutschland steht wirtschaftlich nach wie vor gut da. Allerdings hat die konjunkturelle Dynamik nachgelassen, wodurch die Steuereinnahmen langsamer wachsen als erwartet. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns in der Finanzpolitik noch stärker auf Prioritäten konzentrieren, als die in den Vergangen Jahren der Fall war. Dies tun wir mit dem nun vorgelegten Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt. Dieser folgt unserem Ansatz einer gestaltenden Finanzpolitik. Das bedeutet, dass wir klare Schwerpunkte – auf Maßnahmen für den sozialen Zusammenhalt und Investitionen in ein modernes Land – setzen, dabei aber verantwortungsvoll mit den uns zur Verfügung gestellten Mitteln umgehen. Ausgangspunkt ist der Koalitionsvertrag mit den prioritären Maßnahmen. Wir gehen jedoch darüber hinaus und kommen dennoch ohne neue Schulden aus. So leisten wir einen substanziellen Beitrag dazu, die öffentlichen Schulden erstmals wieder seit 17 Jahren unter 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, die sogenannte Maastricht-Grenze, zu senken. Damit folgt unsere Politik auch den Vorgaben der verfassungsrechtlichen Schuldenregel, die dazu anhält die Schuldenstandsquote in wirtschaftlich guten Zeiten zurückzuführen, dafür aber auch Spielräume in wirtschaftlich schlechten Zeiten vorsieht.

Investitionen in ein modernes Land

Der Bund hat seine Investitionen in dieser Legislatur auf Rekordniveau angehoben und wird auch in den kommenden Jahren so viel investieren wie nie zuvor. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für Innovation und Wohlstand. Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2020 sieht Investitionen von 39,8 Mrd. Euro vor. Das sind nochmals rund 0,9 Mrd. Euro mehr als 2019. Für den Zeitraum 2020 bis 2023 stehen Mittel von über 159 Mrd. Euro für Investitionen bereit. Das sind knapp 38 Mrd. Euro oder gut 30 Prozent mehr als in der vergangenen Legislaturperiode.

Wir investieren vor allem in die Infrastruktur, bezahlbaren Wohnraum, Bildung und Forschung sowie den Klimaschutz. Die im Frühjahr von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Grundgesetzänderungen ermöglichen es dem Bund, direkt Mittel an die Länder für Schulen und Bildung (5 Mrd. Euro allein für den Digitalpakt Schule bis 2024), den sozialen Wohnungsbau (je 1 Mrd. Euro in 2020 und 2021) und den öffentlichen Personennahverkehr (1,7 Mrd. Euro mehr bis 2022) bereitzustellen. Das ist ein wichtiger Schritt, auch für gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland.

Neben der kürzlich auf den Weg gebrachten steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung steigern wir die Innovationskraft vor allen dadurch, dass wir deutlich größere Anstrengungen bei der digitalen Infrastruktur sowie bei Bildung, Wissenschaft und Forschung unternehmen. In diesem Bereich sind in den nächsten vier Jahren insgesamt über 100 Mrd. Euro eingeplant. Für den Breitbandausbau sind laufende Vorhaben im Umfang von 4 Mrd. Euro in der Finanzplanung berücksichtigt. Weitere Milliardeninvestitionen in den Breitbandausbau werden in den nächsten Jahren aus dem Sondervermögen „Digitale Infrastruktur“ zur Verfügung gestellt. Neben der Digitalisierung von Schulen über den Digitalpakt Schule stärken wir auch die Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz gesamtstaatlich bis 2025 mit 3 Mrd. Euro zusätzlich.

Ein modernes und klimafreundliches Land braucht intelligente Verkehrssysteme. Deshalb heben wir die Verkehrsinvestitionen 2020 auf rund 15,3 Mrd. Euro und steigern sie auf rund 17,2 Mrd. Euro für 2023. Die zusätzlichen Mittel kommen vor allem dem klimafreundlichen Verkehrsträger Schiene zu gute.

Um unsere Klimaziele zu erreichen, wollen wir konkrete Maßnahmen für alle Sektoren beschließen. Umgesetzt werden diese Maßnahmen über den Energie- und Klimafonds (EKF). Über den EKF werden bereits seit 2010 klimapolitische Maßnahmen finanziert. Sobald die Koalition die zusätzlichen konkreten Klimamaßnahmen finalisiert, werden diese noch in diesem Haushaltsverfahren in den Wirtschaftsplan des EKF integriert. Der beschlossene Kohleausstieg ist ein zentraler Pfeiler der klimapolitischen Maßnahmen der Koalition. Voraussetzung für den Kohleausstieg war von Anfang an, dass der damit verbundene Strukturwandel in Ost- und Westdeutschland aktiv begleitet wird. Dies schlägt sich auch im Bundeshaushalt nieder. Die strukturpolitischen Maßnahmen der Ressorts werden mit 500 Mio. Euro pro Jahr verstärkt. Mit dem Sofortprogramm des Bundes für den Strukturwandel beginnen wir schon 2019 mit der Finanzierung von Maßnahmen der Länder im Umfang von 240 Mio. Euro. Insgesamt stellt der Bund allein bis 2023 2,5 Mrd. Euro zur Verfügung, um den Strukturwandel in den vom Braunkohleausstieg betroffenen Regionen zu unterstützen.

Maßnahmen für den sozialen Zusammenhalt

Wesentliches Ziel unserer Politik ist es, auch in den kommenden Jahren weitere Maßnahmen zu ergreifen, damit vor allem Gering- und Normalverdiener sowie Familien besser gestellt werden. In dieser Legislaturperiode sorgen wir allein mit unseren steuerlichen Maßnahmen dafür, dass die verfügbaren Einkommen insbesondere bei Familien insgesamt um mehr als 25 Mrd. Euro pro Jahr steigen.

Nachdem das Kindergeld bereits ab der nächsten Woche um 10 Euro im Monat steigt, werden wir nächstes Jahr eine weitere Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag auf den Weg bringen und Länder und Kommunen entlasten, um geringere Kitagebühren und Betreuungsangebote zu erreichen. Davon profitieren vor allem Familien mit geringen und mittleren Einkommen. Auch die beschlossenen Leistungsverbesserungen beim BAföG (insbesondere höhere Fördersätze und Wohnzuschläge sowie Ausweitung der Förderberechtigten), die am 1. August 2019 in Kraft treten, werden hierzu beitragen. Allein 125 Mio. Euro stehen in 2020 für Verbesserungen bei der Aufstiegsfortbildung bereit, 2021 dann bereits 270 Mio. Euro. Für das Programm Ganztagsschule/Ganztagsbetreuung stellen wir 2020 und 2021 jeweils 1 Mrd. Euro bereit. Im Jahr 2021 werden wir den Solidaritätszuschlag für 90 Prozent all derer abschaffen, die ihn heute bezahlen. All dies erhöht die verfügbaren Einkommen von Normal- und Geringverdienern insgesamt um jährlich rund 11 Mrd. Euro.

Gleichzeitig sorgen wir mit gezielten Investitionsanreizen und der Unterstützung der Länder beim Sozialen Wohnungsbau (1 Mrd. Euro Programmmittel in 2020) dafür, dass dringend benötigte Wohnungen entstehen können und Wohnen auch in Ballungsgebieten wieder bezahlbarer wird. Für die von der Koalition vereinbarte Wohngelderhöhung stehen allein 2020 115 Mio. Euro mehr bereit, bis 2023 sind es über eine halbe Mrd. Euro. Mit dem Baukindergeld unterstützen wir Familien beim Erwerb von Eigentum.

Trotz Rekordbeschäftigung wollen wir noch intensiver daran arbeiten, Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen. Mit einem sozialen Arbeitsmarkt schaffen wir besserer Möglichkeiten dafür. Für Eingliederungsmaßnahmen insgesamt (inklusive Verwaltung) stehen 2020 rund 10 Mrd. Euro bereit.

Auch für die Innere Sicherheit stellen wir erneut mehr Mittel zur Verfügung, insgesamt 6 Mrd. Euro im kommenden Jahr. Wir werden wie vereinbart deutlich mehr Sicherheitskräfte einstellen, u.a. bei der Bundespolizei und der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll.

Unser Land nimmt auch seine internationale Verantwortung ernst. Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, erhöhen wir deshalb auch die Mittel für humanitäre Hilfe, Krisenprävention und Entwicklungszusammenarbeit (sogenannte ODA-Mittel). Dabei steigt der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung von rund 6,4 Mrd. Euro im Jahr 2014 auf über 10 Mrd. Euro in 2020 an. Beim Auswärtigen Amt haben sich die Ausgaben für Humanitäre Hilfe und Krisenprävention von 2013 bis 2018 mehr als verfünffacht und wurden mit dem vorliegenden Entwurf für 2020 auf rund 2 Mrd. Euro weiter angehoben. Damit wird Deutschland voraussichtlich weiterhin der weltweit zweitgrößte Geber von ODA-Mitteln bleiben. Zusätzlich setzen wir die eingeleitete Trendwende bei den Verteidigungsausgaben fort. Der Verteidigungshaushalt steigt 2020 auf knapp 45 Mrd. Euro. Dadurch steigt auch die NATO-Quote von 1,24 Prozent des BIP in 2018 auf 1,37 Prozent in 2020.

Der Regierungsentwurf wird in den kommenden Wochen dem Bundestag zugeleitet, sodass die parlamentarischen Beratungen nach der Sommerpause beginnen können.

Reform des Grundsteuer- und Bewertungsrechts

Das Bundeskabinett hat die Grundsteuerreform auf den Weg gebracht. Dies ist ein wichtiger Etappenschritt, um die Grundsteuereinnahmen von etwa 15 Milliarden Euro im Jahr für die Kommunen auch weiterhin sicherzustellen. Die Berechnung der Grundsteuer wird sich auf Bundesebene weiterhin am Wert der Grundstücke orientieren. Mit dem wertabhängigen Modell von Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird die Grundsteuer einfacher, gerechter und zukunftsfähig. Mit dem Kabinettsbeschluss nimmt die Reform der Grundsteuer eine wichtige Hürde. Am Donnerstag hat der Bundestag das Gesetzpaket in erster Lesung beraten. Danach stehen absehbar noch schwierige Verhandlungen insbesondere über die geplanten Grundgesetzänderungen bevor.

Wir sichern durch das Gesetzespaket die finanzielle Grundlage der Städte und Gemeinden, denn ohne eine Neuregelung wäre die Grundsteuer wegen der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes als wichtigste Einkommensquelle der Kommunen zum 31. Dezember 2018 weggefallen. Damit sorgen wir dafür, dass die verfassungsrechtlich garantierte kommunale Selbstverwaltung auch weiterhin funktionieren kann und den Städten und Gemeinden auch weiterhin ausreichend Gelder für Schulen, Kitas, die übrige Daseinsvorsorge und Investitionen in die örtliche Infrastruktur zur Verfügung stehen. Zugleich ist die Grundsteuer die vom Finanzvolumen wichtigste Form der Vermögensbesteuerung in Deutschland.

Die bisherige Berechnung der Grundsteuer basiert auf Jahrzehnte alten Grundstückswerten. Die Werte von Grundstücken und Gebäuden haben sich jedoch seit 1964 im Westen und 1935 im Osten sehr unterschiedlich entwickelt. Gegenwärtig werden dadurch für vergleichbare Immobilien sehr unterschiedliche Steuerzahlungen fällig. Als Grundlage der Bemessung der Grundsteuer sollen auch zukünftig vor allem der Wert des Bodens und die durchschnittlich gezahlte Miete am jeweiligen Standort dienen. Es macht demnach einen Unterschied, ob ein Haus oder eine Wohnung in einem begehrten Innenstadtviertel oder in einer weniger gefragten Randlage einer Metropole steht, ob es sich in einer ländlichen Gemeinde oder in der Stadt befindet. Dieser Wertbezug war ein für uns entscheidender Punkt, der nun in der Bundesregelung abgesichert wird. Hinzu kommt: Immobilien des sozialen Wohnungsbaus, kommunale sowie gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsgenossenschaften sollen unter bestimmten Voraussetzungen durch einen zusätzlichen Abschlag auf die Steuermesszahl bei der Grundsteuer begünstigt werden.

Mit dem Kabinettsbeschluss zu den Gesetzentwürfen wird zudem klargestellt, dass der Bund die Gesetzgebungskompetenz behält, die Grundsteuer kann somit nicht zur Disposition gestellt werden. Dies wird jetzt auch im Grundgesetz zweifelsfrei festgeschrieben. Zugleich wird den Ländern allerdings das Recht eingeräumt, ab-weichende landesrechtliche Regelungen zur Grundsteuer zu erlassen. Nach monatelangen Verhandlungen hat die CSU in letzter Minute den mit den Ländern angestrebten Konsens verlassen und eine solche Abweichungsmöglichkeit für einzelne Länder verlangt. Eine Abweichungsmöglichkeit birgt die Gefahr einer Zersplitterung des Grundsteuerrechts. Hinzu kommt: Das Flächenmodell, das die CSU nunmehr in Bayern einführen will, begünstigt vor allem wohlhabende Immobilienbesitzer. Denn die Werte der Grundstücke und der Gebäude bleiben bei diesem Modell unberücksichtigt. Diese Grundsteuer à la CSU ist nicht einfach, sondern einfach ungerecht. Vor diesem Hintergrund sieht der Gesetzesentwurf vor, dass für die Berechnung des Länderfinanzausgleichs weiterhin die bundeseinheitliche Regelung zugrunde gelegt wird. Damit hätten andere Länder keinen finanziellen Nachteil durch den Sonderweg eines Landes. In keinem Fall darf sich Bayern auf Kosten anderer Länder im Länderfinanzausgleich der Finanzverantwortung entziehen. Dies muss verlässlich sichergestellt sein.

Hinzu kommt: Wir helfen den Städten und Gemeinden, Wohnraum zu schaffen und gegen Grundstücksspekulationen vorzugehen. Insbesondere in Ballungsgebieten besteht ein erheblicher Wohnungsmangel, auch weil baureife Grundstücke als Spekulationsobjekt gehalten werden anstatt dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Mit der Reform der Grundsteuer werden wir eine sogenannte Grundsteuer C einführen, die auf unbebaute, aber bebaubare Grundstücke erhoben werden kann. Wir wollen den Kommunen damit die Möglichkeit geben, Bauland zu mobilisieren, ihre Baulücken leichter zu schließen, Spekulationen entgegenzuwirken und eine gute Stadtentwicklung zu betreiben. Mit der Grundsteuer C wollen wir erreichen, dass es sich für Eigentümer eher lohnt, Wohnraum zu schaffen als Land brach liegen zu lassen.

Für mehr Ordnung und Fairness auf dem Arbeitsmarkt

Für mehr Ordnung und Fairness auf dem Arbeitsmarkt

Illegale Beschäftigung und Sozialleistungsbetrug schaden uns allen. Durch hinterzogene Steuern und Sozialabgaben können wichtige öffentliche Aufgaben nicht finanziert werden. Den vielen ehrlichen Unternehmen, die sich unfairer Konkurrenz ausgesetzt sehen, schaden sie genauso wie den betroffenen Beschäftigten selbst, weil Regelungen zu Mindestlohn und Arbeitsschutz und die soziale Sicherung für sie nicht gelten. Auch Arbeitslose werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen, da sie dadurch weniger Chancen auf eine legale Beschäftigung haben.


Der Zoll hat alleine in den letzten beiden Jahren Schäden in Höhe von 1,8 Mrd. Euro aufgedeckt, die u. a. durch illegale Beschäftigung und Sozialleistungsbetrug entstanden sind. Mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der diese Woche in zweiter und dritter Lesung im Deutschen Bundestag beraten wurde, soll die zuständige Sondereinheit beim Zoll gestärkt werden. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) erhält dadurch zusätzliche Befugnisse und deutlich mehr Personal. Es ist bereits im Haushalt vorgesehen, die FKS bis zum Jahr 2026 von heute bundesweit rund 7.900 auf dann mehr als 10.000 Stellen aufzustocken.


Darüber hinaus sollen zusätzlich für die FKS perspektivisch weitere 3.500 Stellen geschaffen werden. Das Gesetz stärkt auch die Einsatzmöglichkeiten des Zolls für faire Arbeitsbedingungen: Menschen aus dem EU-Ausland werden oft gezielt nach Deutschland gelockt und hier unter Druck gesetzt. Zwangsarbeit, Ausbeutung und sogar Fälle von Menschenhandel finden auch im Jahr 2019 statt. Häufig werden sie zudem in Schrottimmobilien unwürdig und zu überhöhten Preisen untergebracht. Dagegen wird der Zoll zukünftig noch wirkungsvoller vorgehen und ermitteln können. Auch gegen „Tagelöhner-Börsen“ bzw. den sogenannten „Arbeiterstrich“, wo Arbeiter für meist einfache, körperlich anstrengende Arbeiten kurzfristig und ohne Einhaltung gesetzlicher Vorgaben angeworben und beschäftigt werden, wird der Zoll effektiver vorgehen können. Im Hinblick auf Scheinarbeitsverträge, die dazu genutzt werden, Kindergeld oder andere Sozialleistungen zu missbrauchen, wird es durch das Gesetz bessere Durchgriffs- und Ahndungsmöglichkeiten geben. Ebenso bei Fällen organisierter Kriminalität im Baugewerbe, wie z. B. in Fällen von Kettenbetrug, wenn Scheinrechnungen ausgestellt werden, um Schwarzgeld für kriminelle Zwecke zu generieren.


Die SPD schafft mit diesem Gesetz die Voraussetzungen für mehr Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Das hilft den von illegaler Beschäftigung und Sozialleistungsbetrug betroffenen, legt Kriminellen das Handwerk und stärkt den Zusammenhalt in unserem Land.

Bessere Bedingungen in der Pflege – Bundesregierung stärkt Pflegekräfte und Angehörige

Mit der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) will die Bundesregierung erreichen, dass jede und jeder sich sicher sein kann: Wenn ich krank oder pflegebedürftig werde, werde ich gut versorgt. Das abzusichern ist Aufgabe des Sozialstaats. Pflege kann allerdings nur dann gut sein, wenn die Pflegerinnen und Pfleger ihre Arbeit gut schaffen können. Dafür braucht es ausreichend gut qualifiziertes Personal und bessere Arbeitsbedingungen. „Derzeit sind die Arbeitsbelastungen hoch, körperlich und psychisch, der Lohn dagegen oft niedrig. Der aktuelle Zustand der Pflege, gerade in der Altenpflege, kann nicht so bleiben. Zeitdruck, schwere Arbeit, fehlendes Personal geht an den Pflegenden nicht spurlos vorbei“, so Barbara Hendricks, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Kleve.


Ein Jahr arbeitete die die Bundesregierung deshalb gemeinsam mit Verbänden, Pflege- und Krankenkassen, Kirchen, Sozialpartnern, der Bundesagentur für Arbeit an Lösungsvorschlägen. Nun liegen die Ergebnisse vor: Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte sollen schnell und spürbar besser werden: Durch mehr Ausbildung, mehr Personal und mehr Geld. Bundesweit soll nach Tarif bezahlt werden, ein am Bedarf orientierter Personalschlüssel soll eingeführt, die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte beschleunigt und die Zahl der Auszubildenden und Ausbildungseinrichtungen gesteigert werden. So wird beispielsweise die Bundesagentur für Arbeit über Umschulungen, Nachqualifizierungen, Unterstützung während einer Ausbildung oder Anwerbungsprogramme im Ausland dazu beitragen, mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. Auch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz wird neue rechtliche Möglichkeiten schaffen.


Die SPD-Bundestagsfraktion will nun rasch gesetzgeberisch handeln. Mit dem „Gesetz für bessere Löhne in der Pflege“ wird die Grundlage geschaffen, dass Entlohnung und Arbeitsbedingungen sowie die Rahmenbedingungen für die Pflegekommission verbessert werden.
Bislang müssen Angehörige, meist Kinder pflegebedürftiger Eltern, die Hilfe zur Pflege erhalten, für den Unterhalt ihrer Eltern aufkommen. Mit dem „Angehörigenentlastungsgesetz“ wird geregelt, dass auf das Einkommen von Kindern pflegebedürftiger Eltern erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro zurückgegriffen wird. Das gilt auch für Eltern, die für ihre pflegebedürftigen Kinder aufkommen müssen. Künftig gilt diese 100 000 Euro-Grenze dann für alle Leistungen in Sozialhilfe und Eingliederungshilfe. In der Eingliederungshilfe wird der Unterhaltsrückgriff gegenüber Eltern volljähriger Kinder sogar vollständig entfallen.